Serena Wey | theater etc.
«fill`e anima» - Accabadora
 

Ein Theaterprojekt nach Textfragmenten aus dem Roman Accabadora 

von Michela Murgia. 

Accabadora: Eine Frau die Sterbenden in Agonie zum Tode verhilft. Anthropologen sind sich nicht einig, ob sie tatsächlich existiert hat oder ob es sich um eine mythologische Figur handelt. Einigen Quellen zufolge wirkte die letzte Accabadora 1952 in Orgosolo. Sie ist Gegenstand vieler sardischer Legenden, in denen sie häufig zugleich auch die Funktion der Hebamme bekleidet.

Fill`e anima| fillus de anima: Kinder des Herzens.

„ So nennt man die Kinder die zweimal geboren werden, aus der Armut einer Frau und der Unfruchtbarkeit einer anderen. In dieser zweiten Geburt wurde Maria Listru zum späten Segen für Bonaria Urrai.“

 Eine in Sardinien seit langem praktizierte Form der Adoption, die mit dem Einverständnis der beteiligten Familien- und ganz ohne behördliche Formalitäten- geschieht. Eine kinderreiche Familie gibt eines ihrer Kinder an ein Paar das keine Kinder hat. Das Kind bleibt aber im Kontakt mit der ursprünglichen Familie. Wörtlich übersetzt „ Kind der Seele“. 

Eine ungewöhnliche Mutter Tochter Geschichte und ein Gedankenspiel darüber, wie eine Gesellschaft mit dem Tod umgeht.

 Im Roman Accabadora(2010) werden zwei aktuelle Tabus gebrochen, welche offenbar in archaischen Kulturen noch nicht als solche galten:

Sterbehilfe - ausgeführt von derselben Helferin, welche auch als Hebamme entscheidend den Beginn des menschlichen Lebens ermöglicht und direkte Adoption, d. h. die Weitergabe eines Kindes von einer fruchtbaren an eine unfruchtbare Frau. Damit kann eine schwere schicksalhafte Situation ausgeglichen werden

Diese beiden - aus heutiger Sicht - grossen Tabubrüche galten während Jahrhunderten auf Sardinien als natürliche menschliche Grundpraktiken, und lösen heute hilflose Ethik- und Gentechnologiedebatten aus. In diesem Spannungsfeld siedeln wir die Umsetzung dieser vordergründig historischen Geschichte an, welche von den grossen menschlichen Dramen erzählt.

Die Erzählerin  der Geschichte  ist eine zeitgenössische Frau. Zusammen mit ihr wird ein Chor auf der Szene präsent sein, der in die Geschichte eingreift und auf den Zwiespalt und die Spannungsfelder dieser Tabubrüche reagiert. 

 

Serena Wey arbeitet im Rahmen des theater etc. immer wieder mit unterschiedlichen Theater-/Musikerpersönlichkeiten zusammen, welche oft auch untereinander vernetzt sind und teilweise über viele Jahre und in zahlreichen Produktionen mit ihr gemeinsam freie Theaterprojekt realisieren.

Serena Wey (Schauspiel/Konzept/Textfassung)

Ihre letzten freien Produktionen sind: Das Muschelessen von B. Vanderbeke, Warum das Kind in der Polenta kocht von A.Veteranyj. Der Schwimmer von Z. Bank., Schattenfuchs von Sjon, Inselreise von C. Lanfranchi

Daniel Wahl(Regie/ Textfassung) 

spielte und inszenierte am jungen Theater Basel. Zusammenarbeit mit Sebastian Nübling. (u.a. Sweet Hamlet)  2001  Luzerner Theater (Barbara Mundel) Das doppelte LottchenAlice im Wunderland und Wolfsjunge ein Projekt für gehörlose und hörende Schauspieler. In Basel Schällemätteli ein Projekt mit Ex-Sträflingen. Ab 2005 Schauspieler und Regisseur unter Friedrich Schirmers Intendanz am Schauspielhaus Hamburg (Herr der FliegenWer einmal aus dem Blechnapf frisst...u.a.). Seit 2012 am Theater Freiburg im Breisgau

Benjamin Brodbeck ( Musikalische Leitung) 

Neben regen Konzerttätigkeiten mit den Bands Prekmurski Kavbojci und Anonima Nuvolari arbeitet  Benjamin Brodbeck als Theatermusiker eng mit dem Regisseur Daniel Wahl zusammen WolfsjungeSchällemätteliSagt lila und Träumer. Benjamin Brodbeck war Musiker im Theaterprojekt Schattenfuchs.

Schauspiel/ Konzept/ Textfassung: Serena Wey

Musik: Benjamin Brodbeck

Chor: Lisa Lüthi, Lena Kiepenheuer, Patrizia Häusermann

Regie/ Textfassung: Daniel Wahl

Bühne/ Produktionsleitung: Heini Dalcher

Licht: Brigitte Dubach/ Catherine Rutishausen

Kostüm: Pascale Martin

 

Mit freundlicher Unterstützung von: Fachausschuss Theater und Tanz BL/BS, GGG, Edith Maryon Stiftung.