Kunstmobil - Petra Rappo & Christian Lichtenberg
«M O U V E M E N T S» 

1. Akt

 

Es riecht nach altem Diesel in der heruntergekommenen Fabrikhalle in Leipzig. Glassplitter knirschen unter den Füssen. Der Feldzug der Vandalen hat seine Spuren hinterlassen. Die Instinkte sind angeregt und die Sinne hellwach. Das illegale Territorium animiert zu Taten. Doch welchen?

Die Lust mit dem Ort und seinen Fundstücken zu spielen und das Wagnis ohne Konzept, der Intuition des Augenblicks zu folgen, lässt eigene Grenzen überschreiten und macht Platz für Neues. Plötzlich verbinden sich der Raum und seine Geschichte, mit den «Dingen» und uns selbst. Das Spiel fängt an. Manchmal ohne ein Zögern und manchmal zäh und zum Scheitern verurteilt.

 

Trotz Fehlversuchen, bleibt aber das Glück, die Welt nicht nur zu sehen, sondern sie wahrgenommen und sich mit ihr verbunden zu haben, als eine Antriebsfeder sie zu erforschen und zu interpretieren. Unsere Wege pendeln dabei zwischen urbanem Niemandsland und der rauen Natur nordischer Landschaften. In ihnen finden wir Entsprechungen, Themen und Sehnsüchte unseres Unterbewusstseins.

 

2. Akt

 

Aus den wilden Weiten des Nordens in die eigenen vier Wände zurückgekehrt, erwartet uns ein neues Abenteuer. 27 Zoll Lichtfläche beleuchten den Atelierraum im Halbdunkel eines nebligen Spätherbst-Abends. Dutzende Videoclips, die Ernte unserer Spiele, flüstern alle: «Schau mich an, wähle mich aus!»

 

In der Manege des Bildschirms entfaltet sich die Magie der laufenden Bilder. Sie haben nichts mehr mit der Realität des Aufnahmemomentes zu tun, sondern sind durch ihre Zweidimensionalität schon ihre eigene Wirklichkeit geworden. In ihr lässt sich durch Schnitt und Behandlung die «Geschichte» nochmals neu schreiben und auf einen Punkt hin, verdichten. In der Bearbeitung der «Mouvements», entwickelt sich auch die endgültige Dramaturgie der Serie. Diese ist so angelegt, dass  sie meistens eine Überraschung bereit hält. Die Stimmungen wechseln dabei zwischen Poesie (z.B. «Mjölk»), Ironie (z.B. «New age») und einer leisen Melancholie. Diese entsteht dadurch, dass wir zwar etwas sehen können, aber dieses Gesehene immer auf etwas Drittes und Unsichtbares hindeutet und unfassbar bleibt. Das Gefäss ist da. Die Füllung, mag jeder nach seinem Verständnis bestimmen.

 

3. Akteure


Petra Rappo und Christian Lichtenberg reisten in ihrem «Kunstmobil», einem fahrenden Wohnatelier, im Sommer 2011 durch die nördliche Hemisphäre Europas. Die Reise diente u.a. der Erforschung der Wechselwirkungen zwischen fremder Aussenwelt und eigener Innenwelt. Die «Forschungsergebnisse» sind noch nicht komplett ausgewertet, werden aber zu einem späteren Zeitpunkt in Form eines Buches und einer Ausstellung veröffentlicht.

 

Petra Rappo zeichnet und malt. Christian Lichtenberg fotografiert und filmt. Gemeinsam arbeiten sie an der Verwischung dieser Grenzen und der Suche nach neuen Ufern oder einer Terra Incognita.

 

Die «Mouvements» sind auch auf www.kunstmobil.ch zu sehen. Weitere Arbeiten auf www.petrarappo.ch und www.lichtenberg.ch.

 

Ausstellung vom 27.1. bis 31.3. Vernissage: 26.1. 18.00 Uhr geöffnet täglich (ausser So & Mo) ab 16.00 Uhr