Wildwuchs - Das Kulturfestival für solche und andere

ÜBER WILDWUCHS

Seit zehn Jahren präsentiert das internationale Kulturfestival wildwuchs Theater, Musik, Tanz, Malerei, Fotografie, Film und Literatur. wildwuchs präsentiert, fördert und erfindet Kunst von Solchen und Anderen, experimentiert mit neuen Kunst- und Theaterformen. wildwuchs ist mehr als ein wiederkehrendes Festival von 10 Tagen Dauer. Der Name steht für eine urbane Bewegung, die sich mit Kommunikation ohne Ausgrenzung, mit Begegnung zwischen jung und alt, fremd und nah, normal oder besonders befähigt auseinandersetzt.

Im Rahmen von wildwuchs 11 werden einige der erfolgreichsten Ensembles, in denen Künstler/innen mit besonderen Fähigkeiten eine tragende Rolle spielen, zu Gast in der Schweiz sein. 

wildwuchs arbeitet zusammen mit den Festivals OKKUPATION!, Internationales Theaterfestival Zürich und Community Arts Festival, bewegGrund Bern. Diese nationale Festivalpartnerschaft wird unterstützt durch das Vernetzungsprojekt InegrART von Migros Kulturprozent.

Die sieben Todsünden

Eine Gemeinschaftsproduktion von sieben Schweizer Tanz-, Theater- und Performancegruppen

Sieben Schweizer Tanz-, Theater- und Performancegruppen mit behinderten und nicht behinderten Akteuren und Akteurinnen begeben sich auf eine Achterbahnfahrt durch die Höhen und Tiefen menschlicher Lüste und Leidenschaften und überprüfen das mittelalterliche Konzept der Todsünden auf seine Gegenwartstauglichkeit. Sie tauchen ins Schlaraffenland ab und zelebrieren die Völlerei, erzählen, wie Geld, Ruhm, Macht und Glamour zu Hochmut führt, untersuchen das kreative Potenzial von Trägheit, die Entstehung von Neid im Alltäglichen und Wollust als Momente, in denen wir es uns gut gehen lassen, feiern den Zorn als Konzert-Performance und wenden das Prinzip Geiz auf die Mittel des Theaters selbst an. Ein ungewöhnliches Episodentheater, entstanden im Rahmen des Pilotprojekts «SwissAbility – Ein Schweizer Förderprojekt für aussergewöhnliche Bühnenkunst».

Ausgehend vom Filmklassiker «Das grosse Fressen» taucht «Frei_Raum» aus Bern für 15 Minuten ins Schlaraffenland ab und begibt sich in einen Zustand, in dem gängige gesellschaftliche Wertvorstellungen hinterfragt und verdreht werden. «Theater Nil» aus Basel untersucht Hochmut bei Tenniskönigen und Fussball-Champions und erzählt, wie Macht und Glamour diese verändern. «Mops DanceSyndrome» aus Muralto begreift Trägheit als Form des Widerstands und untersucht ihr kreatives und befreiendes Potenzial. «COMEDYexpress» aus Sommeri demonstriert die Entstehung, das Wachsen und die Eskalation von Neid an Hand einer eigentlich ganz alltäglichen Situation.

Die Theatertruppe «muniambärg» aus Bern präsentiert Wollust als szenische Installation zu Momenten, die lustvoll sind, die uns gut tun und in denen wir es uns gut gehen lassen. Stefano Benini und seine «Züriwerk-Crew» nähern sich der Todsünde Zorn in Form einer Videoclip-Konzert-Theater-Performance-Maskerade. Und Marcel Schwald aus Basel und seine blinde Diva wenden das Prinzip Geiz auf die Mittel des Theaters selbst an und nehmen dem Publikum Stück für Stück alles weg, was die Theatererfahrung sonst ausmacht.

 «Die sieben Todsünden» ist das erste Werk, das aus «SwissAbility – Ein Schweizer Förderprojekt für aussergewöhnliche Bühnenkunst» hervorgegangen ist. Dieses Pionierprojekt ist eine Initiative des Theater HORA Züriwerk in Zusammenarbeit mit dem Theaterfestival OKKUPATION! Zürich, dem Kulturfestival «wildwuchs» Region Basel sowie dem «Community Arts Festival» Bern. Ziel ist, die Schweizer Landschaft durch Projekte künstlerischer Arbeit mit Menschen mit Behinderung zu beleben. Das Schwergewicht der Arbeit liegt zum einen darauf, ausgewählten Gruppen bzw. deren künstlerischen Leiter/innen eine Professionalisierungshilfe zu ermöglichen und ihnen eine kontinuierliche Begleitung sowie eine grundlegende künstlerische und kulturadministrative Fortbildung anzubieten. Zum anderen soll der Austausch zwischen den verschiedenen Initiativen gefördert werden und längerfristig zu einem funktionierenden Netzwerk in der Schweiz führen.

Von und mit: StefanoBenini & Züriwerk-Crew, Frei_Raum Bern, Mops_Dance Syndrome, Muniambärg/vhs plus, Theater Nil, Marcel Schwald & Kolleginnen, COMEDYexpress sowie einem Gastauftritt der HORAmatöre.

Projektteam: Sibylle Ott (wildwuchs, Basel), Susanne Schneider (Beweggrund, Bern), Michael Elber, GiancarloMarinucci, Marcel Bugiel (Theater HORA, Zürich)

Produktion: Theater HORAZüriwerk.

Mit Unterstützung von MigrosKulturprozent, StiftungDenk an mich, CS Foundation, Pro Infirmis, Swissability.

STEFANO BENINI (ZÜRICH): TODSÜNDE ZORN

Der Kurzfilmemacher, Videokünstler und Schauspieler Stefano Benini stellt in Galerien aus und performt als Akarus Milbus auf Bühnen mit schrillem Aufbau und Klang. Beim Festival OKKUPATION! 2009 leitete er eine Filmworkshopreihe für Menschen mit einer Behinderung und lernte dabei auch seine Züriwerk-Crew kennen.

COMEDYEXPRESS (SOMMERI): TODSÜNDE NEID

COMEDYexpress wird von Peter Wenk und Olli Hauenstein geleitet, besteht aus sieben Menschen mit einer Behinderung und einem Clown und entwickelt selbst Comedy-Theaterstücke. Die Gruppe, gegründet 2003, gehört zur Bildungsstätte Sommeri, probt wöchentlich und kann für Firmen-, Vereins- und private Anlässe gebucht werden. www.comedyexpress.ch

FREI_RAUM (BERN): TODSÜNDE VÖLLEREI

Der gemeinnützige Verein Frei_Raum – inklusive Kultur, 2009 mitgegründet von der Dramaturgin und Autorin Rahel Bucher, bezweckt die kreative und künstlerische Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung. Bei den Theaterprojekten zu gesellschaftlichen und politischen Inhalten steht immer auch die Integrationsthematik im Zentrum. www.freiraumkultur.ch

MOPS_DANCESYNDROME (LOCARNO): TODSÜNDE TRÄGHEIT

Mops_DanceSyndrome wurde 2008 von der Choreografin Ela Franscella gegründet und befindet sich seitdem in intensiver Entwicklung. Bestehend aus einer Tänzerin und zwei Tänzern mit Down-Syndrom als gemeinsamem Nenner, steht im Zentrum der künstlerischen Arbeit vorurteilsfrei der tänzerische Körper und dessen Bewegungsausdruck. www.mopsdancesyndrome.com

MUNIAMBÄRG(BERN): TODSÜNDE WOLLUST

muniambärg ist die Theatertruppe der vhsplus Bern (Freizeit- und Weiterbildungsangebot für Menschen mit besonderen Bildungsbedürfnissen). 2003 von der freien Regisseurin Sibylle Heiniger ins Leben gerufen, spielen bei muniambärg Schauspielende mit und ohne Behinderung. Alle zwei Jahre entsteht ein neues Stück. www.vhsplus.ch

THEATER NIL (BASEL): TODSÜNDE HOCHMUT

Das Theater Nil unter der Leitung von Niklaus Waldburger ist ein Projekt des Freizeitzentrums insieme Basel und existiert seit August 2008. Seit Januar 2010 besteht die Gruppe in der gegenwärtigen Formation – sechs Schauspieler mit einer Behinderung und eine Profischauspielerin. Anfang dieses Jahres hatte ihre jüngste Produktion Premiere: Das Tennis-Drama «Roger und ich». www.insieme-basel.ch

MARCEL SCHWALD (BASEL): TODSÜNDE GEIZ

Marcel Schwald, freischaffender Regisseur, Dramaturg und Performer, hat seine blinden Darsteller/innen Alicia Fernandes und Oktay Sahin im Rahmen seiner Arbeit «Host Club im Dunkeln» beim Kulturfestival wildwuchs 2009 kennengelernt. Für das Projekt «Die Sieben Todsünden» fanden sich die drei erneut zusammen. www.paraform.ch/marcelschwald