Treibstoff Basel: Theater Barsch
«Wer Auf der Welt»

Wohin treibt es den Menschen, wenn er aus dem Raster der Gesellschaft heraus fällt? Wenn er den Zugang zu dem Arbeitsmarkt verliert und er von seinem Umfeld stetig weniger wahrgenommen wird. Wenn seine Sprache zu verklingen, und sein Körper unsichtbar zu werden beginnt. Verliert man, steht man erst einmal aussen vor, auch seine eigenständige Sprache und sein eigenständiges Handeln? Gibt es auf der Welt noch einen Ort für Verlierer, am dem diese ein Gefühl der Sicherheit gegenüber sich selbst haben können?

«Wer auf der Welt» beginnt mit einer Begegnung zwischen Steinkopf der Kioskfrau Ulla. Beide haben an diesem Tag ihre Arbeit verloren, und aus Steinkopfs Plan, den grossen Lottogewinn einzustreichen, wird heute wohl nichts werden. Während der Kiosk, an dem sie stehen, Stück für Stück vom Wind davongerissen und das Leben, an dem sie hängen, zum Verschwinden gebracht wird, entwickeln die beiden einen Rettungsplan: Ulla wird entführt. Steinkopf macht den Entführer. Das Geld wird brüderlich geteilt. Unklar ist nur Eines: Wer soll eigentlich erpresst werden?

«Wer auf der Welt» nimmt die überhöhte Handlung als Ausgangslage, um unter ihrer grotesken Überformung nach der Verletzbarkeit des Menschen zu fragen, der nicht mehr den Schutz der Gesellschaft geniesst. Zwischen Licht und Schatten, Wahrheit und Lüge entwickelt sich die Inszenierung zu einem Traumspiel, in dem die Realität von den eigenen Träumen auf die Probe gestellt wird, und dessen schlafwandelnden und gleichzeitig hellwachen Protagonisten ihre Tauglichkeit zum guten Leben unter Beweis stellen müssen.

 

Das Theater Barsch wurde 2009 von Autor Lukas Linder und Regisseur Jonas Gillmann ins Leben gerufen. Die Gruppe sucht danach, klassische Formen des Erzähltheaters mit zeitgenössischer Körper- und Bewegungssprache zu verbinden. In ihrer ersten Produktion "Riesenschritte", die 2010 im Basler Freizolllager uraufgeführt wurde, inszenierte die Gruppe, gemeinsam mit der Seiltänzerin Nadine Tobler, eine Begegnung zweier Menschen zwischen Luft und Erde, Freiheit und Zwang. Zwischenräume sind es, nach denen die Gruppe sucht. Sowohl in den Geschichten der Figuren, als auch in deren Umsetzung auf der Bühne, Geschichten zwischen Text und Bewegung, Sprache und Tanz.

 

Idee: Jonas Gillmann und Lukas Linder

Konzept und Regie: Jonas Gillmann

Text und Dramaturgie: Lukas Linder

Bühne und Licht: Philipp Berweger

Kostüm: Cornelia Peter

Produktionsleitung und Regieassistenz: Johanna Rees

Mit: Patricia Nocon, Julius Griesenberg, Daniel Mangisch