tanzfaktor interregio 2011

Ein Abend – sechs Tanzstücke

Junge TänzerInnen und ChoreografInnen aus der ganzen Schweiz zeigen neue Facetten des zeitgenössischen Tanzes.

Von Juni 2011 bis Januar 2012 ist der tanzfaktor interregio zum vierten Mal in der Schweiz unterwegs. Nach Genève, Neuchâtel, Steckborn, Luzern macht der tanzfaktor Halt in Basel auf der neuen Bühne des Theater Roxy in Birsfelden.

Der tanzfaktor geht zurück auf eine Initiative des Tanzbüro Basel (IG Tanz), das die Organisation bis 2008 gewährleistete. Vor vier Jahren konnte das Projekt unter dem Namen tanzfaktor interregio auf nationaler Ebene ausgedehnt werden. Ab 2009 übernahm das Reso Tanznetzwerk Schweiz die Koordination. Für die Basler Ausgabe zeichnet nach wie vor das Tanzbüro Basel verantwortlich.

Eine sachverständige Jury hat aus zahlreichen Bewerbern die folgenden Stücke ausgewählt:

 

Monika Born – «Reflekt!»

«Reflekt!» zeigt eine Tänzerin im Beisein ihres eigenen Abbilds in Form einer Projektion. Die beiden bewegen sich im selben Raum, weitgehend unabhängig. Ihre vereinzelten Zusammentreffen führen zu unerwarteten Reaktionen, wirken skurril, lassen die beiden für Augenblicke ineinander verschmelzen und bauen sich nach und nach zu einem bewegten Finale auf.

Monika Born ist in der Schweiz aufgewachsen und erhielt ihre Tanzausbildung an der Folkwang Hochschule Essen und in Montpellier. Sie arbeitete u.a. mit der Compagnia dell’Academia Nazionale di Danza di Roma, Ismael Ivo und Chikako Kaido. «Reflekt!» ist ihre vierte choreografische Arbeit. Kerim Karaoglu studierte zunächst Philosophie und Linguistik an der Ruhr‐Universität Bochum. Seit 2006 studiert er elektronische Komposition an der Folkwang Universität der Künste. Seine Arbeiten und Kollaborationen wurden u.a. am ZKM Karlsruhe, Musicacoustica Beijing und auf der Ars Electronica in Linz präsentiert.

Choreografie & Tanz: Monika Born

Video / Musik: Kerim Karaoglu

 

Corrine Rochet (Cie Utilité Publique) –  «Journal d’elle»

 

Beherrschen und loslassen. Die Bühne von Corinne Rochet und Nicholas Pettit ist absolut schlicht und schmucklos, genauso wie der Körper der schwarz gekleideten Tänzerin. Der Raum verändert sich im Verlauf des Stücks. Er präsentiert sich mal feindlich, mal behaglich, mal beruhigend. Die Bewegungen sind zuerst abgehackt, gewinnen aber mit der Zeit an Fluss. Der Körper ist gleichzeitig angreifbar, schwach, kraftvoll, energiegeladen und fahrig. Wer ihn beobachtet, taucht ein in die Welt einer Frau, die hin und her gerissen ist zwischen Abwehren und Aufgeben.

Corinne Rochet und Nicholas Pettit haben im Jahr 2003 die Compagnie Utilité Publique gegründet und verschiedene choreografische Arbeiten realisiert: «J’assume», «Monique» und «Transitland». «Fizz» wurde 2006 für den europäischen Choreografie-Wettbewerb Aérowaves nominiert. Wegen mangelnder Ausbildungsmöglichkeiten in modernem Tanz haben Corinne Rochet und Nicholas Pettit 2001 Le Marchepied, eine Starthilfe für junge Tänzerinnen und Tänzer, ins Leben gerufen.

Choreografie: Corinne Rochet & Nicholas Pettit

Tanz: Corinne Rochet

 

Skree Wolf - «I'd like to save the world, but I'm too busy saving myself»

Gerechtigkeit, Freiheit, Wohlstand: Es gibt viele Gründe, auf die Strasse zu gehen und die Geschichte beeinflussen zu wollen. Es gibt Versammlungen, Demonstrationen. Das Duo Rudi van der Merwe und Madeleine Piguet Raykov macht in seinem Schaffen sich die Freude und die Energie eines gemeinsamen Ziels zunutze, die Anonymität, das Heldentum und das Leiden der gesichtslosen Menge. Spielerisch wird die Frage des politischen Engagements in unserer westlichen Gesellschaft thematisiert. 

Rudi van der Merwe wurde 1977 in Südafrika geboren. Dort studierte er Theaterwissenschaft und anschliessend zeitgenössische Literatur in Frankreich. Seine Tanzausbildung erhielt er am CCN in Montpellier. Seit 2004 arbeitet er als Interpret mit Gilles Jobin, Cindy van Acker, Estelle Héritier und Jòzsef Trefeli. 2010 gründete er die Compagnie Skree Wolf (Afrikaans für „den Wolf anheulen»). Madeleine Piguet Raykov erhielt ihre Tanzausbildung am Conservatoire de Danse de Genève sowie am Centre National de Danse Contemporaine d’Angers. Sie arbeitete mit der Compagnie Alias, Félix Ruckert und der Cie Philippe Saire bevor sie sich in Richtung Theater umorientierte. Seit 2006 arbeitet sie mit József Trefeli zusammen und bringt ihre Karriere als Tänzerin und Schauspielerin unter einem Hut.

Choreografie: Rudi van der Merwe

Tanz: Rudi van der Merwe & Madeleine Piguet Raykov

Musik: Christian Garcia

 

Lucie Eidenbenz – «Animals are like water in water»

In diesem von einem animalischen Gestus geprägten Stück kommt speziell zum Ausdruck, dass wir hybride und widersprüchliche Wesen sind, die sich durch eine Mischung aus Instinkt und existentiellem Paradoxon auszeichnen. Lucie Eidenbenz zeigt Parallelen zwischen Tier und Mensch auf, illustriert Widersprüche und Gemeinsamkeiten. Das Solo ist eine Art Suche nach der Identität und kommt zurück auf den Ursprung, der uns bewegt.

Lucie Eidenbenz wurde in Lesotho geboren und liess sich bei Mathilde Monnier in Frankreich ausbilden. Ihr erstes Stück Traum Project wurde 2010 in der Usine in Genf aufgeführt. Sie arbeitet als Interpretin mit Marco Berrettini, Mathilde Monnier, Laura Kalauz und der Cie 7273. Für ihr Stück hat Jassem Hindi die Musik komponiert. Jassem Hindi kam in Saudi-Arabien zur Welt. Heute lebt er in Paris. Er hat sich autodidaktisch weitergebildet und arbeitet mit Choreographen wie Takako Sukuzi (Sascha Waltz&Guests).

Choreografie & Tanz: Lucie Eidenbenz

Musik: Jassem Hindi

 

Caroline de Cornière – «Old up»

Caroline de Cornière geht ohne falsche Scham der Frustration des Altwerdens nach, die so typisch ist für unsere Zeit. Dabei schlüpft sie in den Körper einer älteren Frau und verleiht diesem absolute Bewegungsfreiheit, eine Art neue Jugendlichkeit. Dadurch zeigt sie eine Möglichkeit  auf, wie der Lebensweg betrachtet werden kann. «Old up» ist eine Explosion verschiedener Bewegungen im Zeichen von Leichtigkeit und Schwere, Glück und Unglück, Jugend und Alter, Gefangenschaft und Befreiung.

Caroline de Cornière schloss ihre Ausbildung 1995 am CNDC in Anger ab. Sie ist mit Joao Fiadeiro in Lissabon sowie der Compagnie Fabienne Berger aufgetreten und war zehn Jahre für die Compagnie Alias als Tänzerin, Assistentin, Kostümbildnerin und Pädagogin tätig. Seit 2007 ist sie unabhängige Choreografin und lebt in Genf. Caroline de Cornière arbeitet eng mit Fernando de Miguel zusammen, der für Old up die Musik komponierte. Fernando de Miguel hat in Genf Kunstgeschichte und Philosophie studiert und an der Universität von Barcelona einen Master in digitaler Kunst erworben.

Choreografie & Tanz: Caroline de Cornière

Musik: Fernando de Miguel

 

Manuel Vignoulle & Luciana Reolon – «Conversation»

Die beiden Darsteller treten auf wie zwei Adelige, die nebeneinander ihre zwei Reiche regieren. Als Thron und Festung dienen zwei Stühle und ein Tisch. Diese schaffen nicht nur den Raum, um sich zu begegnen und einander zu verführen, sondern auch die Möglichkeit, sich zu bekämpfen. Diese intime Choreographie zeigt die Machtspiele, Kräfteverhältnisse und Abhängigkeiten, die auftreten, wenn zwei Menschen um ein gemeinsames, grösseres, wohlhabenderes und mächtigeres Königreich kämpfen.

Manuel Vignoulle kam in Frankreich zur Welt und hat am Conservatoire National Supérieur in Paris studiert. Er arbeitet für verschiedene Compagnien, unter anderem Redha, La La La Human Steps und das Ballet du Grand Théâtre in Genf. Zurzeit tanzt er für das Cedar Lake Contemporary Ballett in New York und interpretiert seine eigenen Choreografien in Frankreich, der Schweiz und in den Vereinigten Staaten. Luciana Reolon kommt aus Brasilien und hat für verschiedene Ensembles getanzt u.a. für die Compania de Dança de Minas Gerais Palacio das Artes, für das Salzburg Ballet und für das Ballet du Grand Théâtre in Genf. Sie ist aber auch in der Welt der Oper, der Mode und der Musik zu Hause.

Choreografie: Manuel Vignoulle

Tanz: Luciana Reolon & Manuel Vignoulle

Musik: Vivaldi

 

Ein Projekt von: ADC & la Fête de la Musique Genève, ADN Neuchâtel, Festival theater:now Steckborn, Südpol Luzern, Theater Roxy & Tanzbüro Basel, Kurtheater Baden, Théâtre de l’Octogone Pully

Unterstützung für die Basler Ausgabe: kulturelles.bl, Swisslos-Fonds Basel-StadtGGG, Fonds Warteck pp, kulturbox, 

Unterstützung auf nationaler Ebene: Pro Helvetia Schweizer Kulturstiftung, Ernst Göhner Stiftung, Migros Kulturprozent 

www.tanzbuero-basel.ch

www.tanzfaktor.ch

www.reso.ch