CultureScapes Israel
AMIT DRORI
«SAVANNA»
Ausgangspunkt für dieses neue interdisziplinäre Stück von Amit Drori ist sein Wunsch die Mechanismen von Objekten zu verstehen. Bereits als kleiner Junge versuchte er zu ergründen, woraus das Klavier auf dem seine Mutter spielte, gemacht war. Sie starb und er wurde erwachsen, zerlegte das Klavier Stück für Stück. Doch es gab sein Geheimnis nicht Preis. Diese neugierige Suche begleitet ihn auch bei seiner Arbeit mit den Tierfiguren/-robotern, wie sich auch in seinem neuen Stück «Savanna. Un paysage possible» zeigt.
Das Werk nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in eine imaginäre Savanne, die mechanische Tiere, wie Schlangen, Vögel, Raupen und Elephanten beheimatet. Sie bestehen aus Metall und Holz, aber ihre Augen erzählen von einem verlorenen Paradies. Im zentrum der Bühne steht ein Baum, der ebensogut die Szenerie bei «Warten auf Godot» ausstatten könnte. Samuel Beckett ist eines von Droris Vobildern, das er während seines Studiums an der School of Visual Theatre in Jerusalem entdeckte. Amit Drori: «Als Kind spielte ich Gitarre und wollte Musiker werden. In unserem ersten Studienjahr stellten sie uns verschiedenste Disziplinen vor und plötzlich verfiel ich dem Theater und war von Marionetten und Puppen fasziniert.»
Die ersten Puppen, die er kreierte, waren zwei Kinder mit riesigen Köpfen, sehr realistischen Gesichtern und winzigen Körpern. «Sie sahen aus wie Spermien», sagt Drori.
Von den Eltern - sein Vater war Architekt, seine Mutter Spezialistin für mittelalterliche Kunst - nimmt er autobiographische Elemente in seine Arbeit auf, die er selbst als «nicht-endenden Prozess» beschreibt. Jede seiner Kreationen entwickelt sich langsam und es dauert Jahre bis er ein Werk fertigstellt.
Drori beschäftigte sich immer stärker mit den Mechanismen selbst, um seine Puppen autonom agieren zu lassen, so dass er in «Savanna» schließlich Roboter nutzt. «Es war ein Albtraum», meint Drori lachend. «Welche Tastenkombinationen geben dem Tier einen naturgetreuen oder realistischen Ausdruck? Zuerst muss man ihre Autonomie verstehen und diese dann beim Bau der Roboter beachten. Aber das reicht nicht. An dem Baby-Elefanten zum Beispiel haben ein Kollege und ich anderthalb Jahre Tag und Nacht gearbeitet. Zeitweise hat es technisch funktioniert, aber dem Ausdruck fehlte jegliche Empfindsamkeit. Das konnten wir nicht akzeptieren und mussten von Neuem anfangen.»
«Savanna. Un paysage possible» schafft einen Dialog zwischen künstlich geschaffenem Paradies und menschlicher Vorstellung von Natur. Im Verlauf des Stückes muss der Zuschauer sich mit beiden Sichtweisen auseinandersetzen. Was ist Virtualität? Wer steuert wen – der Mensch den Roboter oder der Roboter den Menschen?
Inszenierung und Design: Amit Drori
Set-Design: Noam Dover
Projektionen: Sara Michal Cederbaum
Video: Jerome Vernez
Musik: Gai Sherf
Animation: Sylwia Drori, Inbal Yomtovian
Spiel: Amit Drori, Sylwia Drori, Gai Sherf, Jerome Vernez, Inbal Yomtovian
Management: Elizabeth Gay
Produktion: Théâtre Vidy-Lausanne
Koproduktion: Bonlieu scène nationale Annecy, Culturescapes
Mit freundlicher Unterstützung der israelischen Botschaft in Paris und des Mamuta Pasal center of arts in Jerusalem.
