Steps #12

Stuttgarter Soli

Choreografien:
Die Preisträger des Wettbewerbs 2010.

Soli sind die eigentlichen Perlen der Choreografie: Sie geben Auskunft über die Phantasie, die Kreativität und das künstlerische Handwerk ihrer Schöpfer.  Am Internationalen Solo-Tanz-Theater Festival Stuttgart zeichnet eine hochkarätige Jury alljährlich je drei Preisträger in den Bereichen Choreografie und Tanz aus. Die preisgekrönten Produktionen werden anschliessend zum Programm gebündelt und auf Tournee präsentiert. Steps #12 stellt die preisgekrönten Soli aus dem Wettbewerb 2010 zum ersten Mal in der Schweiz vor: Für das Publikum wird das ein buntes, dynamisches und international geprägtes Tanzerlebnis.

Am 14. März 2010 ging im Treffpunkt Rothebühlplatz in Stuttgart das 14. Internationale Solo-Tanz Festival zu Ende. Von den 18 teilnehmenden Choreographen für zeitgenössischen Tanz wurden 8 für das Finale ausgewählt. Ausgewählt wurden:  1.Preis Choreographie: Joaquin Sanchez für Always look at the sea. 2. Preis Choreographie: Laura Vera für Susurros raídos, ángulos de furia. 3.Preis Choreographie: Antonin Comestaz für SHE. 1.Preis Tanz/Interpretation: Meng-Ke Wu in SHE. 2.Preis Tanz: Milou Nuyens in Layers. 3. Preis Tanz: Geovanni Pérez in Susurros raídos, ángulos de furia.

Der Publikumspreis ging an SHE (Choreographie: Antonin Comestaz, Tanz: Meng-Ke Wu).

Im Roxy haben sie die Möglichkeit, alle Preisträger an einem Abend zu erleben:

Milou Nuyens - 2. Preis Tanz

Layers 

Wir legen Schichten um unsere Seele wie um unseren Körper. Nach außen zeigen wir oft nicht, wer wir im Inneren sind. Von wie vielen Schichten müssen wir uns ablegen, um zu erkennen, wer wir wirklich sind? Und was bleibt, wenn wir unsere letzte Schicht verlieren?

Der Ungar Laszlo Attila Kocsis erhielt seine Ausbildung an der Jeszenszky Endre Ballet School u.a. in klassischem und Jazz-Ballett und in zeitgenössischem Tanz. Von 1996 bis 2002 tanzte er in der Szeged Contemporary Dance Company, danach bis 2004 am Ungarischen Nationaltheater in Budapest. Für einige Jahre arbeitete er freiberuflich, u. a. in Tokio und Singapur. Seit 2007 hat er ein Engagement am Staatstheater Darmstadt. In Jochen Ulrichs „Lorenzaccio“ tanzte er 2008 die Rolle des Kardinals sowie in Mei Hong Lins Inszenierung von Carl Orff‘s Carmina Burana die Rolle des Schicksals. Laszlo Attila Kocsis wurde zweimal mit dem Sonderpreis des Internationalen Tanz-Festivals Veszprém in Pannonien (Ungarn) ausgezeichnet.

Die Niederländerin Milou Nuyens absolvierte ihre Tanzausbildung am Valuas College in Venlo sowie an der Rotterdam Dance Academy. 2005 gewann sie den 1. Preis der Eurovision Young Dancers Competition in Warschau. Im Jahr 2007 tanzte sie am Landestheater Linz in Mei Hong Lins Tanzadaption Das Haus der Bernarda Alba. Im selben Jahr wurde sie am Staatstheater Darmstadt engagiert. Hier konnte die Tänzerin zuletzt ihre künstlerischen Facetten auf der Bühne zeigen, als sie in Mei Hong Lins Inszenierung des Musicals Jesus Christ Superstar in der Rolle eines Soulgirls tanzte und sang.

Choreografie: Laszlo Attila Kocsis

Musik: Four Tet/ Alexander Malter

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Anneke Ghysens - Finalistin

The M. O. X. pill Hermitage

„Ich bin ein Opfer des ersten Experiments mit M.O.X. - Pillen (Manipulation of choreographical skill). Ich werde fünf dieser neu entwickelten Pillen schlucken und jede Pille lässt meinen Körper anders reagieren. Am Ende geht etwas vollkommen schief ..."

Anneke Ghysens stammt aus Belgien und schloss im letzten Jahr eine Ausbildung an der Kunsthumaniora Antwerpen ab. Derzeit studiert sie am Royal Conservatoire Antwerpen, Artesis University College. Ihre Ausbildung umfasst zeitgenössischen  Tanz, modernen Tanz, die Graham-Technik, Jazzdance, klassisches Ballett und Pilates. 2008 wirkte sie beim PACTT Dance Festival im belgischen Bornem mit und trat bei 4 days 4 you auf, einem Festival für zeitgenössischen Tanz in Banská Bystrica in der Slowakei.

Choreografie: Anneke Ghysens

Musik: J. S. Bach/ A. Vivaldi / Matmos

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Eldad Ben Sasson - Finalist

Heterotopia

Die Gesetze der Natur wurden den Menschen als denkende Wesen auferlegt. Der Choreograf aber möchte einen Ort erschaffen, an dem vollkommene Freiheit möglich ist und er seine eigenen Regeln aufstellen kann. Inspiriert von den Philosophen Michel Foucault und Yeshayahu Leibovich ist „Heterotopia“ ein Dialog zwischen dem Verlangen nach Freiheit und den gelebten Grenzen der Realität. 

Der Israeli Eldad Ben Sasson absolvierte seine Ausbildung an The Bat Dor School of Dance und Thelma Yelin High School for Performing Arts in seinem Heimatland. 1998 bis 2005 tanzte er im Ensemble der Batsheva Dance Company in Tel Aviv unter der Leitung von Ohad Naharin und stand auch in Naharins eigener Produktion

Plastelina auf der Bühne. Eldad Ben Sasson kreiert eigene Choreografien, z.B. Pluga M, Mia, And now there is. Mit seinem Stück 4 of a kind gewann er 2009 den 1. Preis beim Internationalen Choreografie-Wettbewerb des Cross Connection Ballet in Kopenhagen. Eng verbunden ist Eldad Ben Sasson der schwedischen Kompanie Andersson Dance des Choreografen Örjan Andersson, in dessen Werken Triptych und Ready to explode er auftrat.

Choreografie: Eldad Ben Sasson

Musik: Erik Satie

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Geovanni Pérez - 3. Preis Tanz und 2. Preis Choreografie

Susurros raídos, ángulos de furia 

Ein Mann wird entführt. Seine Kidnapper versuchen ihm den letzten Rest an Menschlichkeit zu rauben, indem sie ihn wie ein Tier in einem Käfig halten. Für den Gefangenen sind es nur die kurzen Momente des Erinnerns, die ihn am Leben erhalten - das immer wiederkehrende und nachhallende Geflüster eines freien Lebens, das ihn für einen Augenblick aus der Gefangenschaft rettet und ihn Mensch sein lässt.

Laura Vera, in Mexiko geboren, erhielt ihre Tanzausbildung am nationalen Kolleg für zeitgenössischen Tanz, Mexiko. Sie war am Nationalballett Mexico engagiert und tanzte in Werken u.a. von Tim Wenger, Marina Giancaspro, Donlin Foreman und Christine Dakin. Für ihre choreografische Arbeit erhielt sie zahlreiche Stipendien aus dem Kulturetat des Landes Mexiko. 2003 wurde sie in die nationale Planungskommission zur Förderung kreativer Projekte in Mexiko berufen.

Der mexikanische Tänzer Geovanni Pérez schloss sein Studium am Centro  Nacional de Danza Contemporánea ab. Beeinflusst wird seine Tanzkunst  gleichermaßen von modernen zeitgenössischen Tanztechniken wie von folkloristischen Tanztraditionen aus aller Welt. Er erhielt Engagements u.a. am Ballet Clásico de Querétaro. 2008 gewann er den 1. Preis in der Kategorie Tanz beim renommierten Festival Certamen Internacional de Danza Burgos - New York in Spanien.

Choreografie: Laura Vera

Musik: Iannis Xenaquis

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Meng-Ke Wu - 1. Preis Tanz und 3. Preis Choreografie

SHE

Eine junge Frau hört in sich hinein. Sie vernimmt viele wirre Stimmen und versucht darin ihre eigene Stimme zu finden, den Knoten in sich zu entwirren. SHE handelt vom Äußeren und Inneren und der Suche nach deren Verbindung.

Antonin Comestaz, geboren in Frankreich, absolvierte seine Ausbildung an der Ballettschule der Pariser Oper und der Schule des Hamburger Balletts. Nach einer Spielzeit an der Pariser Oper erhielt er 2000 ein Engagement beim Hamburg Ballett. Seit 2005 arbeitet Antonin Comestaz auch choreografisch, es entstanden mehrere Tanzvideos u. a. hand in hand für das SideBySide Festival. Mit Flesh and Blood nahm er 2008 am Internationalen Choreografie-Wettbewerb in Hannover teil. Seit der Spielzeit 2008/09 ist er Mitglied des TanzTheaterMünchen am Gärtnerplatz.

Meng-Ke Wu, geboren in Taiwan, studierte am Dance College of Taipei National University of Arts. Neben klassischem Ballett und modernem Tanz gehörten  klassischer indonesischer Tanz, chinesischer Volkstanz sowie Tai Chi zur Ausbildung. Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie während ihrer Studienzeit in Choreografien u.a. von Tanja Liedtke und George Balanchine. 2005 erhielt sie ein Stipendium für das American Dance Festival in North Carolina, wo sie Teile des Forsythe-Repertoires einstudierte. Seit der Spielzeit 2009/2010 ist sie Mitglied des TanzTheaterMünchen am Gärtnerplatz.

Choreografie: Antonin Comestaz

Musik: Antonin Comestaz / Aphex Twin

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Joaquin Sanchez - 1. Preis Choreografie

Always look at the sea

„Meine Ausgangsfrage zu diesem Solo war: Wie lebendig können wir sein? Ich möchte Energie mit den Zuschauern teilen und bewirken, dass wir uns lebendiger fühlen. Ich möchte jeden ein wenig lebendiger machen. Es zumindest versuchen. Nur lebendige Menschen erkennen sich selbst im Spiegel.“

Der Spanier Joaquin Sanchez schloss 2009 sein Studium als Tänzer an der Rotterdam Dance Academy ab. Zuvor lernte er am Estudio De Danza Carmen Senra in Madrid und bei der Kompanie Provisional Danza. Zu seinen Lehrern gehörten Michael Schumacher, Andre Gingras und Amy Raymond, in deren Choreografien Joaquin Sanchez auf der Bühne stand. Seine eigenen Stücke werden in  verschiedenen Theatern in Holland aufgeführt, u.a. im Lantaren Venstern Theatre in Rotterdam und im Korzo Theater in Den Haag. 2009 nahm er an Bernardo Colomas Projekt One night’s dance im Dansateliers, Rotterdam, teil, für das er das Trio What birds do when they learn to fly kreierte. Er choreografierte ebenso für das Edinburgh Fringe Festival. Neben seiner Tätigkeit als Choreograf möchte Joaquin Sanchez bei jungen Menschen das Interesse für zeitgenössischen Tanz wecken und organisiert Workshops. Demnächst wird er für Mobile Danza in Sevilla choreografieren und mit geistig behinderten Tänzer/innen zusammenarbeiten. 

Choreografie: Joaquin Sanchez

Musik: Yann Tiersenn

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Zeitgenössischer Tanz in seiner Ur- und Nacktform, reduziert auf den Kern von Körpersprache und Ausdruck, die Essenz der choreografischen Kunst, das sind die Herausforderungen, die das Solo an  junge Choreografinnen und Choreografen stellt. Am Internationalen Solo-Tanz-Theater Festival Stuttgart sind die Anforderungen hoch. Gerade deshalb hat sich das Festival unter der künstlerischen Leitung von Marcelo Santos in den 14 Jahren seiner Existenz einen wichtigen Platz in der internationalen Tanzszene gesichert.

Alljährlich entscheidet eine nach allen tänzerischen Stilen und Sprachen hin offene Jury über sechs Preise in den Bereichen Choreografie und Tanz. Auch das Publikum vergibt einen Preis. Daraus entsteht ein in seiner Vielfalt faszinierendes Programm von Soli. Die künstlerische Palette reicht von Tanztheater über abstrakte Choreografie hin zu interdisziplinären Recherchen. Den künstlerischen Visionen und  choreografischen Schriftzügen sind keine Grenzen gesetzt, vorausgesetzt sie sind schlüssig im Aufbau und werden mit hohem Können umgesetzt.
Das Stuttgarter Ballett mit seiner langen Tradition und Erfahrung gibt den Rahmen und das künstlerische Selbstverständnis. Stuttgarts Kulturzentrum Treffpunkt Rotebühlplatz stellt sich mit seiner Infrastruktur als Podium für den Wettbewerb zur Verfügung. Die jungen Choreografinnen und Choreografen und ihre Tänzer kommen aus aller Welt.

Das Internationale Solo-Tanz-Theater Festival ist zu einem Modell geworden für die Förderung der nächsten Generation der freien wie der institutionellen Tanzszene. Denn der Wettbewerb und sein Programm ermöglichen den jungen Preisträgern wichtige professionelle Kontakte und Tourneen. 250 Bewerbungen von jungen Choreografinnen und Tänzern gingen für die Festival-Ausgabe 2009 ein.

Steps #12 präsentiert die preisgekrönten Produktionen aus dem Wettbewerb 2010 auf einer Tournee durch die Schweiz. Eine Referenz an das Fördermodell und ein Programm, das gerade auch für das Publikum Überraschungen birgt und Entdeckungen für die Szene von Morgen verspricht.

Choreografien: Die Preisträger des Wettbewerbs 2010. 14. Internationales Solo-Tanz-Theater Festival, Stuttgart.