Kefei Cao und mats Staub
«DER RUNDERE MOND»嫦娥
Eine Theaterrecherche
Das Leben zwischen den Kulturen ist zur millionenfach gelebten Signatur des globalen Dorfes geworden. Die Pekinger Theaterregisseurin Cao Kefei, selbst Grenzgängerin zwischen Europa und Asien, und der Dramaturg Mats Staub machen Chancen, aber auch Probleme des Lebens zwischen den Kulturen in ihrer Theaterrecherche «Der rundere Mond» anhand konkreter Lebensgeschichten sinnlich erfahrbar: Sie befragen Chinesinnen, die in der Schweiz leben und mit Schweizern verheiratet sind, sich also mit einer fremden Kultur bis in die Intimität der Privatsphäre hinein konfrontiert haben. Wie gehen Menschen mit der fragilen Architektur eines Lebensgebäudes um, das nach zwei kulturellen Polen hin ausgerichtet ist? Wie nehmen die Frauen den schweizerischen Lebensstil wahr? Wie fliessen die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse in ihre Biografien und Lebensgestaltung ein? Wie verändert sich die Wahrnehmung der eigenen Kultur aus der Perspektive des Lebens in der Fremde? Welche Brüche und Konflikte entstehen im Spagat zwischen Orient und Okzident?
Mit ihrem chinesisch-schweizerischen Team untersuchen Cao Kefei und Mats Staub diese Leitfragen mit den unterschiedlichsten theatralen Mitteln: Laiendarstellerinnen stehen neben professionellen Schauspielern auf der Bühne, dokumentarische Zeugnisse und traditionelle Lieder ergänzen sich, die Präsenz der Mitwirkenden wird durch Videoprojektionen erweitert. «Der rundere Mond» erzählt fünf einzigartige, sehr persöhnliche Geschichten – zugleich bewegt sich die Theaterrecherche auf einer archetypischen Achse zwischen Ost und West, Tradition und Zukunft, Frau und Mann.
Cao Kefei*, geboren 1964 in Shanghai, lebt in Beijing. Nach ihrem Deutsch-Studium in Shanghai lebte sie von 1987 bis 1997 in der Schweiz und studierte an der Universität Bern Theaterwissenschaft. Seit 1998 inszenierte sie in Beijing in unterschiedlichen Theatern, u.a. «Die Macht der Gewohnheit» von Thomas Bernhard und die Uraufführung «Endstation – Beijing» von Cao Keyuan. In letzter Zeit beschäftigte sie sich verstärkt mit dokumentarischen Theaterformen und realisierte mit der Produktion «Together» ein Projekt über weibliche Biografien im gegenwärtigen China am HAU in Berlin. Im März 2009 führte sie Regie bei der Düsseldorfer Uraufführung von «In die Mitte des Himmels» des chinesischen Lyrikers Duo Duo. Seit Juli 2008 leitete sie eine eigene Gruppe – Ladybird – mit der sie 2009 als erste Produktion «Far away» nach dem Stück von Caryl Churchill im Beijing Nine Theatre zur chinesischen Erstaufführung brachte.
Mats Staub, geboren 1972 in Bern, lebt und arbeitet als Künstler und Dramaturg in Basel. Er studierte in Bern, Fribourg und Berlin Theaterwissenschaft, Journalistik und Religionswissenschaft (lic. phil. hist). Von 2002 bis 2004 war er als Dramaturg am Theater Neumarkt in Zürich engagiert. Von 2004 bis 2006 lebte er in St. Petersburg, führte mit dem Projekt 5000 Liebesbriefe eine Russlandtournee durch und erarbeitete eine österreichische Version für die Wiener Festwochen 2006. Seit 2008 ist er mit dem dokumentarischen Langzeitprojekt Meine Großeltern unterwegs (www.erinnerungsbuero.net). Im September 2010 begann sein neues Langzeitprojekt Feiertage in der Kaserne Basel.
Mit Tingshan Cavelti, Qin Xu Hauser, Wenmin Jowanka Zhang, Cao Man, Qin Streller-Shen, Sebastian Krähenbühl und dem Chiao-Ai Chor
Konzept, Leitung Cao Kefei, Mats Staub Bühne, Video Wang Guofeng Kostüm Anna von Zerboni Choreographie Muriel Bader Mitarbeit Ursula Reiter Übersetzung, Assistenz Ai Linh Achermann, Evelyne Zinsstag, Song Yun Long Technik Jens Seiler Produktion Bea Ackermann, Peter-Jakob Kelting / North By North West
Eine Produktion von North By North West Kulturprojekte in Koproduktion mit dem Schlachthaus Theater Bern und dem Kleintheater Luzern in Kooperation mit dem Theater Roxy Basel und CULTURESCAPES. Gefördert durch das «Swiss Chinese Cultural Explorations Program» der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, den Fachausschuss Theater Tanz Basel Stadt/Baselland, der Abteilung Kulturelles der Stadt Bern und dem Amt für Kultur des Kantons Bern. Mit freundlicher Unterstützung der Ernst Göhner Stiftung und Migros Kulturprozent.
Dieses Projekt ist Teil des Programms «Swiss Chinese Cultural Explorations» der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia. www.prohelvetia.ch/china
